Türkisch für Anfänger...
Ich hatte den Ehrgeiz, während der drei Monate in Istanbul auch ein bisschen Türkisch zu lernen. Also: Buch kaufen, CD einlegen, anfangen. Und natürlich während der zahlreichen Teepausen im Büro die Kollegen ausfragen, Zahlen lernen, einfache Sätze anwenden.
Ich bin nicht sonderlich weit gekommen, denn die Sprache ist total anders als alle anderen Sprachen, an denen ich in meinem Leben schon vorbeigekommen bin.
Erstmal sieht es gar nicht so kompliziert aus: Viele Wörter kann man gut verstehen, wenn man deutsch, englisch und französisch mit einbezieht.
Ein Beispiel: Wenn man weiß, dass "Tavuk" Hühnchen ist, was könnte dann "Köri Tavuk" sein? Genau, Huhn mit Curry-Soße.
Und ein Kuaför? Na? Franzosen unter euch, was könnte das sein? Exakt, ein Friseur/Frisör. Es sieht halt aus wie Deutsch nach der Rechtschreibreform... macht aber die Orientierung oft relativ einfach.
Etwas anspruchsvoller, aber man weiß ja nie, wann man das mal braucht: ein Jinekolog. *????* Na klar, ein Gynäkologe. Sieht man doch...
Ein Beispiel, das schön zeigt, wie interkulturelle Unterschiede sich auch auf die Sprache auswirken: Wir haben gestern über "vor der Ehe zusammenziehen" diskutiert - oder eben auch nicht zusammenziehen, hier wohnt man bis zur Heirat bei den Eltern (Studium / Beruf in fremden Städten natürlich ausgenommen). Heute dann habe ich in meinem Türkisch-Buch folgende Vokabeln gefunden: "ev = Haus" und "evli = verheiratet". Man muss nur wissen, dass das Suffix "-li" die Bedeutung "mit..." hat, und nur Verheiratete können hier normalerweise "mit Haus" sein.
Beim Verstehen lag das Problem darin, dass ich schon nicht erkannt habe, wo das eigentliche Wort aufhört und die Endungen anfangen. Beim Sprechen haperte es eher an der Fähigkeit, den richtigen Vokal zu treffen...
Immerhin habe ich es soweit gebracht, dass ich
- im Restaurant etwas bestellen konnte und tatsächlich wusste, was es sein wird, auch wenn die Kellner weder Englisch noch Deutsch konnten (was in meiner Wohngegend der Fall war und sie regelmäßig irritiert hat - wie kamen wir als Touristen da hin??)
- eine Fahrkarte kaufen bzw. meine aufladbaren Schlüsselanhänger aufladen konnte
- dem Taxifahrer sagen konnte, wo ich hin wollte
- im Supermarkt die gängigen Produkte gefunden habe, auch wenn mal kein Bild drauf war
- bis ca. 1 Million zählen konnte - ist aber nicht so schwer, überlegt euch mal, wie viele Wörter man im Deutschen dafür bräuchte, das sind auch nicht so viele... wiederholt sich ja alles.
Viel weiter bin ich leider nicht gekommen, aber immerhin verstehe ich seitdem in der Dönerbude in Deutschland, wie der Kellner den Preis ausrechnet ;-)
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