Drei Monate Istanbul
Einer der großen Vorteile eines internationalen Konzerns wie der METRO GROUP ist die Möglichkeit, für eine begrenzte Zeit auch mal im Ausland zu arbeiten.
Schon zu meinen normalen Aufgaben gehörte es, in unterschiedlichen Ländern der METRO GROUP Trainings durchzuführen. So bin ich z.B. in Warschau, Bukarest, Antwerpen, Madrid, Lissabon und Paris gewesen.
Darüber hinaus gibt es in der METRO GROUP das sogenannte "Job Rotation Program", bei dem zwei Mitarbeiter aus ähnlichen Arbeitsbereichen für sechs Monate den Arbeitsplatz tauschen. In meinem speziellen Fall waren es nur drei Monate, da ich vor Ort die türkischen Trainer für die anstehenden Schulungen des neuen Warenwirtschafts-Systems fit machen sollte. Da wäre es natürlich kontraproduktiv gewesen, sie gleichzeitig nach Deutschland zu versetzen ;-)
Also, drei Monate Istanbul mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen sowohl im Arbeits- als auch im Alltagsleben. Von den touristischen Highlights, die mich am Wochenende beschäftigt haben, mal ganz abgesehen...
Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich mit meinen zwei Koffern in den Flieger gestiegen bin. Dann die Fahrt zu meiner Wohnung - aufregend. Ist schonmal jemand in Istanbul mit dem Taxi gefahren? Nein? Sehr interessante Erfahrung. So in der Nähe von Nahtod-Erfahrungen, aber man gewöhnt sich dran. Man kann auf dreispurigen Straßen eben auch locker mit sechs Autos fahren, und gegen Ende meines Aufenthaltes habe ich nur an den verkrampften Gesichtern meiner Besucher gemerkt, dass Welten zwischen Deutschland und Istanbul liegen.
Aber zurück zum Job: Am nächsten Tag wurde ich dann in meinem neuen Team "abgegeben", mein Abteilungsleiter war extra deshalb mitgeflogen. Ich wurde ins Team der Information Manager gesteckt, die für die Betreuung und die reibungslose Einführung der neuen Systeme zuständig waren. Und eben auch für das Training.
Also habe ich zusammen mit der Kollegin, die für die Schulungen eingestellt worden war, alles notwendige vorbereitet:
- zusammen haben wir uns durch die Systeme geklickt, damit sie alle wichtigen Prozesse kennenlernt.
- parallel haben wir die von mir erstellten Trainer-Handbücher durchgearbeitet, damit sie für zukünftige Themen wusste, wie sie sich einarbeiten kann
- in Probetrainings haben wir die Abläufe und viele didaktische und methodische Ansätze geübt, denn die beiden "Trainer" hatten keinerlei Traininserfahrung
- nebenbei haben wir die nötige Infrastuktur für Trainingsanmeldungen und -organisation aufgebaut
Dann kam das erste Training. Emine, die türkische Trainerin, war richtig gut, und trotzdem: wenn man außer ein paar englischen Begriffen wirklich NICHTS* versteht, ist auch das beste Training echt anstrengend. In der nächsten Woche versuchte sich dann Halil, der Co-Trainer, zum ersten Mal an einer Schulung. Bei beiden gab es viel zu beobachten - Körpersprache, Interaktion mit den Teilnehmern, ob sie alle wichtigen Schritte zeigen... für den Inhalt brauchte ich allerdings einen Übersetzer, der zuhörte und beurteilte, ob alles richtig erklärt wurde und nichts fehlte. Das war immer die Aufgabe des Trainers, der gerade nicht vorne stand... so lernten beide voneinander.
Insgesamt sind die drei Monate unglaublich schnell rumgegangen. Ich wäre gerne länger geblieben, aber meine Mission war erfüllt und die späteren Trainings konnten Emine und Halil ohne meine Hilfe bewältigen. Oder zumindest vorbereiten - denn im Sommer durfte ich nochmal hinfliegen und die nächste Trainingsrunde begleiten.
Ich habe so viele Eindrücke gesammelt, das kann man gar nicht in einem kurzen Beitrag zusammenschreiben. Also seid gespannt auf die folgenden Folgen!
* Das stimmt so nicht ganz, aber auf das Thema Sprache gehe ich gesondert ein... in einem der nächsten Beiträge.
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